Die Ringstraße muss zum jetzigen Zeitpunkt zu vieles sein: Sie beherbergt einen von Österreichs meistbefahrenen Radwegen, führt zahllose TouristInnen rund um Wiens beliebte historische Innenstadt, ist Wegstrecke für gehende WienerInnen und stark frequentierte Straßenbahnlinie. Dazwischen sollen drei bis vier Spuren Autoverkehr Platz finden. Das führt zu Konflikten zwischen den schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen, zu Lärm, Schmutz, Feinstaub und CO2-Ausstoß.
Dafür gibt es jedoch eine Lösung: Die Verlagerung des motorisierten Durchzugsverkehrs auf die Zweierlinie schafft Platz für den Umweltverbund am Ring, für menschenfreundliche Lebensqualität. Sie wertet den Ring zu seinem Ursprungsgedanken auf: Flaniermeile, Prachtboulevard, Wohlfühlzone. Der Ring würde wieder zu dem Schmuckstück, das er sein sollte.
Diese Verlagerung des Durchzugsverkehrs bedeutet die Aufrechterhaltung des notwendigen Kraftfahrzeugverkehrs. Die Erschließung für motorisierte Anlieger und Anrainer, für Lieferverkehr und Einsatzfahrzeuge sowie Taxis und Fiaker braucht deutlich weniger Fläche und ermöglicht eine neue, moderne Flächennutzung. Nebenfahrbahnen und einspurige Fahrschneisen sowie Querungen in den ersten Bezirk sind dafür ausreichend, der frei werdende Platz kommt dem Umweltverbund zu Gute und entschärft die vorhandenen Konflikte: FußgängerInnen bekommen mehr Platz zum Gehen, Stehen und Schauen. Radfahrende können den Ring als notwendige Hauptroute nutzen und teilweise auf der Hauptfahrbahn geführt werden. Der öffentliche Verkehr kann seine überfüllten Haltestellen ausbauen. Dazwischen bleiben Verweilinseln und Grünfläche. Das ist die Radlobby-Vison für die Ringstraße 2020.
Der sogenannte äußere und innere "Ringradweg" soll als Fahrradstraße und autofreier Radweg anstelle der heutigen Nebenfahrbahnen geführt werden. Hier eine Prinzipskizze aus einem ausführlichen englischsprachigen Artikel von Mark Wagenbuur.
Diese Radverkehrsführung in Fahrradstraßen und Radwegen in den Nebenfahrbahnen ist auf weiten Teilen der Ringstraße innen und außen realisierbar. An den wenigen Stellen wo das nicht möglich ist braucht es an die Situation angepasste Lösungen, die die Hauptfahrbahn miteinbeziehen:
So könnte der Ring 2020 aussehen
Download: Radlobby-Renderings zum "Radfreundlichen Ring 2020", Radlobby Montage Andrea Siegl / Cut out people by skalgubbar.se:
radvisionen_ring_radlobby.zip (3.57 MB)
Foto-Flashmob am Autofreien Tag
Am Autofreien Tag 22.9. 17h findet eine Foto-Aktion der Plattform "Autofreie Stadt" vor dem Parlament zur Europäischen Mobilitätswoche zur Darstellung des Flächenverbrauchs der verschiedenen Verkehrsmittel statt. Motto: "Auto-Platzvergeudung am Ring zeigen!"
DI Dr. Harald Frey vom TU Wien Institut für Verkehrswissenschaften bestätigt die Radlobby-Sichtweise: "Die Bedeutung der Ringstraße als Flanierzone und innerstädtischer Boulevard wird in ihrer derzeitigen Gestaltung nur unzureichend berücksichtigt. Die derzeitige Flächenaufteilung zwischen Rad- und Fußverkehr führt zu Konflikten und wird den geforderten Qualitäten für den Umweltverbund nicht gerecht."
Weltweiter Trend: Autofreie Städte
Zum zehnten Mal sollte heuer die Veranstaltung "Rasen am Ring" am internationalen Autofreien Tag 22.9. die Wiener Ringstraße in eine Picknickwiese verwandeln. Die Veranstalterplattform "Autofreie Stadt" gibt heuer den Ball für die Verkehrswende am Ring an das zuständige Verkehrsressort der Stadt Wien und Vizebgm. Vassilakou weiter und fordert "Ring Frei" an Sonntagen.
Viele internationale Vorbilder zeigen den politischen Gestaltungswillen für mehr Lebensqualität und weniger motorisierten Verkehr: Paris macht die Champs-Élysées sonntags autofrei, Brüssels Innenstadt feierte soeben Autofreien Sonntag und Oslo wird 2019 dauerhaft autofrei. Sogar New Yorks Stadtregierung ruft seit 2008 zu autofreien Summer Streets auf. Die BIlderserie unten zeigt weitere Beispiele von Bogota bis Montreal.
"In diese illustre Runde könnte sich Wien einreihen - mit Ring Frei am Sonntag! Die Stadtregierung sollte den Ring an Sonntagen den Menschen zur Verfügung stellen, ohne motorisierte Platzvergeudung", fordert Axel Grunt von der Plattform "Autofreie Stadt". Nun wird der Forderung Nachdruck verliehen, indem die Plattform ihre beliebte und umstrittene Veranstaltung "Rasen am Ring" im 10. Jahr für beendet erklärt: "Nun ist die Stadt an der Reihe, am Autofreien Tag für entsprechende Aktionen zu sorgen, die dem internationalen Motto der Europäischen Mobilitätswoche gerecht werden."
autofreiestaedte_fotosammlung.zip (36.86 MB)